Eine Hauptstadt, keine Ruine
Salona: Im Herzen der römischen Hauptstadt der Provinz Dalmatien
Wie groß Salona wirklich war, wie das Forum und das Theater einer Provinzhauptstadt aussahen und welches Aquädukt noch heute Split mit Wasser versorgt.
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Das römische Dalmatien war kein bescheidener Küstenstreifen – die Provinz reichte tief in den westlichen Balkan hinein, und Salona stand an ihrer administrativen Spitze als Sitz des Statthalters und regionales Zentrum. Dadurch war sie der Knotenpunkt, durch den Steuern, Rechtsstreitigkeiten, militärische Logistik und kaiserliche Korrespondenz für ein riesiges Territorium flossen – nicht bloß eine Küstenhandelsstadt. Gegründet als römische Kolonie im 1. Jahrhundert v. Chr. auf einer älteren illyrischen und griechischen Siedlung, wuchs Salona rasch, sobald es Hauptstadtstatus erlangte, und absorbierte die Verwaltung, den Reichtum und die Bauprogramme, die mit der Regierung einer Provinz einhergingen. Wer Salona als Regierungssitz versteht und nicht als bloße Ruinenstätte, dem erschließt sich alles andere vor Ort neu: Die Mauern, das Forum und das Amphitheater wurden im Maßstab einer Hauptstadt erbaut, nicht einer Marktstadt.
Wie groß war Salona wirklich?
Die Bevölkerungszahlen antiker Städte sind bekanntermaßen schwer exakt zu bestimmen, und Salona bildet da keine Ausnahme – die Schätzungen schwanken je nach Quelle und je nachdem, welches Gebiet als „Stadt“ gezählt wird, erheblich. Doch Zahlen in der Größenordnung von mehreren Zehntausend, die in der Blütezeit mitunter bis zu 40.000 oder mehr betragen haben sollen, tauchen in der Forschung regelmäßig auf und sollten als fundierte Schätzungen verstanden werden, nicht als exakte Volkszählung. Weniger umstritten ist die physische Ausdehnung: rund vier Kilometer befestigter Stadtmauern, gespickt mit Dutzenden Türmen, umschließen ein bebautes Areal, das weit größer ist als die meisten römischen Provinzstädte. Genau diese Dimension macht den archäologischen Park von Salona heute zum größten Kroatiens – man spaziert nicht durch ein einzelnes Monument, sondern entlang der Umrisse einer ganzen Stadt, die einst den bedeutendsten Zentren an der Adria in nichts nachstand.
Das Forum und das Theater
Wie es sich für eine römische Hauptstadt mit Selbstachtung gehört, besaß Salona ein ordentliches städtisches Zentrum: ein Forum für das öffentliche und politische Leben, umgeben von Geschäften, Tempeln und Verwaltungsgebäuden, sowie ein Theater, das etwa zur gleichen Zeit, um die Jahrtausendwende, errichtet wurde. Dies waren keine bloßen Pflichtübungen – ein funktionierendes Theater und Forum bedeutete, dass Salona als vollwertiges städtisches und kulturelles Zentrum fungierte, nicht nur als Garnison oder Handelsposten. Heute ragt nur noch wenig dieser Bauten über den Boden, und beide erfordern etwas Vorstellungskraft, um sie in der offenen Landschaft zu lesen – doch allein ihre Existenz zeigt, dass Salona über die Bevölkerung und die Mittel verfügte, um dasselbe öffentliche Leben zu finanzieren wie jede römische Stadt vergleichbarer Größe, überall im Reich.
Die Wasserquelle des Aquädukts, die noch heute genutzt wird
Salona bezog sein Wasser aus einem Zweig einer Aquäduktleitung, die von der Quelle des Flusses Jadro gespeist wurde, einige Kilometer landeinwärts – derselben Quelle, die über einen separaten Zweig auch den Diokletianspalast versorgte, sobald dieser sechs Kilometer entfernt erbaut war. Die römische Ingenieursentscheidung erwies sich als bemerkenswert langlebig: Jahrhunderte später, nachdem Salona selbst längst verschwunden war, wurde Splits eigenes Wassersystem neu aufgebaut, um ebenfalls aus dieser Jadro-Quelle zu schöpfen, und eine rekonstruierte Variante der alten Aquäduktroute versorgte die Stadt bis ins 20. Jahrhundert, bevor moderne Wasserwerke sie schließlich ersetzten. Die exakte Wasserquelle, die die Römer für ihre Provinzhauptstadt wählten, ist also bis heute Teil der Wasserversorgung der Region um Split – auch wenn der antike Aquädukt selbst längst überholt wurde.
Warum Salona über Dalmatien hinaus von Bedeutung war
Salonas Bedeutung reichte weit über die Region hinaus: Als Hauptstadt Dalmatiens stellte sie Statthalter, beherbergte kaiserliche Geschäfte und war eng mit dem Kaiser verbunden, der Salons berühmtester Sohn ist – Diokletian, der während seiner Herrschaft das gesamte Regierungssystem des Römischen Reiches neu strukturierte. Ein Mann aus einer dalmatinischen Provinzhauptstadt reorganisierte letztlich Rom selbst, und als er sich 305 n. Chr. zur Ruhe setzte, entschied er sich, seinen Palast direkt an der Küste zu bauen, statt nach Rom zurückzukehren – eine Entscheidung, die nur dann Sinn ergibt, wenn man versteht, wie bedeutend Salona und seine Region bereits innerhalb des Reiches waren. Das Prestige der Hauptstadt ist ein Grund dafür, dass der Diokletianspalast genau dort steht, wo er steht.
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